Fragmentierte Anwendungen zusammenführen

Der Weg zu einer Oberfläche, ohne die bestehenden Systeme abzureißen.

Ein Arbeitsplatz in einem gewachsenen Unternehmen sieht oft so aus: sieben geöffnete Programme, sieben Anmeldungen am Morgen, eine Kundennummer, die viermal von einem Fenster ins nächste kopiert wird. Niemand hat das geplant. Es ist das Ergebnis von fünfzehn Jahren, in denen jede Abteilung bekam, was sie dringend brauchte.

Ein Vorgang, viele Fenster

Der Vorgang ist eine Reklamation. Die Kundendaten stehen im CRM, der Lieferschein in der Warenwirtschaft, das Foto des beschädigten Teils in der Dateiablage, die Gutschrift in der Buchhaltung, die Rückmeldung im Portal des Lieferanten. Fünf Systeme für einen Fall, und dazwischen ein Mensch, der die Kundennummer als Klammer benutzt.

Das Ärgerliche ist nicht die Unbequemlichkeit, sondern die Unsicherheit: Welches Fenster zeigt den aktuellen Stand? Weichen die Anschriften voneinander ab, welche gilt? Das entscheidet, wer gerade hinsieht, jedes Mal neu. Aus einer Frage der Bedienbarkeit ist längst eine der Datenqualität geworden.

Jede Insel hatte ihren guten Grund

Der Reflex, so eine Landschaft für Nachlässigkeit zu halten, ist verständlich und falsch. Hinter fast jeder Insel steht dasselbe Muster: eine Fachabteilung mit dringendem Bedarf, ein eigenes Budget, ein Anbieter, der in sechs Wochen liefern konnte, und eine IT, die anderweitig gebunden war. Jede Entscheidung war für sich richtig. Erst ihre Summe ergibt das Problem.

Deshalb findet ein Aufräumprojekt, das mit „so hätte man das nicht machen dürfen“ beginnt, im Fachbereich keine Verbündeten. Wer einer Abteilung ihr System nimmt, muss etwas Besseres hinstellen, nicht etwas Einheitlicheres.

Das unterscheidet die Aufgabe von der verwandten: Beim Zerlegen eines Monolithen wird eine große Anwendung geschnitten. Hier ist die Bewegung umgekehrt: viele kleine Anwendungen sollen zusammenfinden, ohne zu verschwinden. Den Überblick über alle Ablösewege gibt Legacy-Software modernisieren.

Was die Zersplitterung kostet

Jeder dieser Posten lässt sich im eigenen Haus nachprüfen, ohne Werkzeug und ohne Berater. Deshalb steht hier keine Zahl; die Zahl, die herauskommt, ist Ihre.

Was Sie dabei finden werden: Jede Übertragung von Hand ist bezahlte Zeit und eine Gelegenheit für einen Zahlendreher. Der Anteil abweichender Stammdaten ist die ehrlichste Kennzahl zur Datenqualität und der Grund, warum Auswertungen angezweifelt werden. Die Differenz zwischen aktiven Konten und Beschäftigten ist ein Prüfungsbefund. Und dort, wo eine einfache Frage einen halben Tag kostet, entstehen die Schatten-Tabellen, die niemand pflegen will und alle benutzen.

Mehrfacherfassung

Zählen Sie eine Woche mit, wie oft dieselbe Nummer von Hand aus einem Fenster ins nächste wandert.

Widersprüchliche Stammdaten

Vergleichen Sie bei zwanzig Kunden Anschrift und Bankverbindung über alle Systeme hinweg.

Einarbeitung

Wer neu anfängt, lernt nicht einen Prozess, sondern sieben Bedienlogiken. Und weil die Anwendungen von verschiedenen Häusern zu verschiedenen Zeiten gebaut wurden, sieht und bedient sich jede anders.

Zugänge, die niemand abschaltet

Zählen Sie überall die aktiven Konten und vergleichen Sie die Summe mit Ihrer Beschäftigtenzahl.

Die einfachste Frage bleibt unbeantwortet

„Wie viele Vorgänge sind offen?“ ist hier keine Abfrage, sondern ein halber Tag: fünf Exporte, eine Tabelle, am Ende eine Zahl von gestern.

Zusammenführen geht in Stufen

Die Stufen, und Sie müssen nicht alle gehen

Zu klären ist weniger, ob zusammengeführt wird, als wie weit. Jede Stufe liefert für sich Nutzen; die Reihenfolge ist bewährt, aber keine Vorschrift.

  1. Stufe 1: eine Anmeldung, eine Benutzerverwaltung

    Die Zugänge wandern aus den einzelnen Anwendungen in eine gemeinsame Benutzerverwaltung; wo ein Verzeichnisdienst existiert, kommen Konten und Gruppen von dort. Ein Austritt wird einmal gepflegt und wirkt überall.

    kleinster Eingriff, sofort messbar

  2. Stufe 2: eine Oberfläche mit Kacheln und Reitern

    Die vorhandenen Anwendungen erscheinen als Kacheln in einem gemeinsamen Rahmen und öffnen sich darin als Reiter. Einmal anmelden, dann mit einem Klick wechseln. Jede Anwendung bleibt, wo sie ist, und wird weiter von dem gepflegt, der sie bisher gepflegt hat.

    Oft geht es noch einen Schritt weiter, ohne dass eine Anwendung dafür umgebaut werden müsste: Sie verweisen aufeinander. Aus dem Vorgang im einen System führt ein Verweis direkt auf den passenden Datensatz im anderen, statt dass jemand die Nummer heraussucht und drüben wieder eintippt. Für den Anwender fühlt sich das an wie eine Anwendung, obwohl es weiterhin mehrere sind.

    bestehende Systeme bleiben unangetastet

  3. Stufe 3: gemeinsame Stammdaten

    Für Kunden, Artikel oder Standorte wird festgelegt, welches System die Daten führt; die übrigen bekommen sie zugestellt, statt sie selbst zu pflegen. Die Datenhoheit ist eine Entscheidung des Fachbereichs, keine technische.

    ab hier wird es aufwendig

  4. Stufe 4: einzelne Inseln ablösen

    Eine Anwendung, die niemand mehr pflegt oder die neue Anforderungen nicht mehr zulässt, wird ersetzt, diese eine und nicht die Landschaft. Weil Anmeldung, Rechte, Oberfläche und Betrieb aus den Stufen davor stehen, ist es der kleinstmögliche Neubau.

    nur dort, wo die Insel selbst das Problem ist

Was in einer gemeinsamen Oberfläche tatsächlich passiert

„Alles in einer Oberfläche“ klingt nach einer Startseite mit Verknüpfungen. Der Unterschied zur Linksammlung liegt in drei Punkten, und die sind der Grund, warum das im Alltag trägt.

Jede Anwendung wird einmal eingetragen und erscheint überall. Zum Eintrag gehören Bezeichnung, Adresse, Symbol, Farbe und Gruppe; danach taucht sie in der Navigation aller anderen auf. Ihre Menüeinträge meldet sie selbst an, befristet und mit regelmäßiger Erneuerung. Wird sie abgeschaltet, verschwindet sie von allein: keine zentrale Liste, keine toten Kacheln.

Jeder sieht nur, was er benutzen darf. Das zusammengesetzte Menü wird gegen die Rechte des Angemeldeten gefiltert: Ohne Leserecht erscheint eine Anwendung gar nicht. Dieselben Regeln bestimmen, wo jemand nach der Anmeldung landet.

Eingebettet heißt nicht „Website im Fenster“. Zwischen Rahmen und eingebetteter Anwendung läuft ein festgelegter Nachrichtenkanal: Die Seite kann im Rahmen einen Dialog öffnen und schließen und ihren Titel melden, damit der Reiter richtig beschriftet ist. Formular- und Listenseiten einer fremden Anwendung verhalten sich dadurch wie eigene.

Kacheln und Reiter statt sieben Fenster

Eine Anmeldung, eine Leiste, die Anwendungen als Kacheln. Was geöffnet wird, erscheint als Reiter neben dem Vorherigen: Reklamation, Lieferschein und Kundenakte gleichzeitig offen, Wechsel ohne Schließen und ohne erneute Anmeldung.

Der Gewinn ist unspektakulär und gerade deshalb belastbar. Die Kundennummer wird nicht mehr abgeschrieben, weil beide Ansichten nebeneinander stehen.

Kachel Ansicht im Desktop mit Tabs
Konfiguration Kachel deltastone Nocode

So wird eine Kachelansicht eingerichtet

Eine Kachelansicht ist ein Reiter, darin liegen die Kacheln. Jede bekommt Beschriftung, Symbol, einen Kurztext als Hinweis, und ein Ziel: eine externe Adresse oder eine eingetragene Anwendung samt Route darin. Eine Kachel öffnet also direkt die Vorgangsliste, nicht nur die Startseite.

Der unbequeme Nebeneffekt: Wer Kacheln anlegt, entscheidet über Sichtbarkeit. Ohne aufgeräumtes Rollenmodell entsteht ein Menü, in dem jeder alles sieht. Konfiguration statt Programmierung

Wo eine gemeinsame Oberfläche an ihre Grenze kommt

Diese Einschränkung steht in Angeboten selten. Eine gemeinsame Oberfläche ändert an den sieben Anwendungen darunter nichts; sie macht das Umschalten bequem. Führen zwei Systeme widersprechende Anschriften, tun sie das hinterher immer noch, nur eleganter nebeneinander. Was seit vier Jahren keine Aktualisierung bekommen hat, ist danach genauso ungepflegt, nur besser erreichbar.

Die Probe: Denken Sie die Oberfläche weg und fragen Sie, welche Beschwerde bliebe. Lautet sie „das ewige Umschalten“, reicht die gemeinsame Oberfläche. Lautet sie „wir wissen nie, welche Zahl stimmt“, führt der Weg über gemeinsame Stammdaten und im Zweifel über die Ablösung der Anwendung, die sie führt. Eine Fassade davor würde das Problem verdecken.

Dazu zwei technische Grenzen, die vorab zu prüfen sind. Viele Systeme untersagen aus Sicherheitsgründen, in eine fremde Seite eingebettet zu werden; ein solches bleibt eine Kachel im eigenen Fenster. Und eine gemeinsam genutzte Sitzung setzt eine gemeinsame Hauptdomain voraus, auf fremder Domain ist die Weitergabe der Anmeldung ein eigener Projektpunkt.

Womit man anfängt

Die Insel mit den meisten Übergaben

Verfolgen Sie eine Woche, welche Angabe aus welchem Fenster in welches andere getippt wird. Die Anwendung am Anfang der längsten Kette ist der erste Kandidat, nicht die teuerste.

Die Anwendung, die am häufigsten geöffnet wird

Für die gemeinsame Anmeldung zählt nicht der fachliche Umfang, sondern die Zahl der Anmeldungen pro Tag. Dort wird die Ersparnis am schnellsten sichtbar, und das finanziert den nächsten Schritt.

Ein Stammdatenbestand zuerst

Nehmen Sie Kunden oder Artikel oder Mitarbeiter, eines davon. Wer alle gleichzeitig angeht, verhandelt ein Jahr und liefert nichts.

Was ohnehin ausläuft, kommt auf die Ablöseliste

Eine Anwendung ohne Hersteller-Support oder ohne Nachfolger für ihren einzigen Kenner gehört auf die Ablöseliste, nicht in die Oberfläche.

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Häufige Fragen

Müssen die bestehenden Anwendungen umgebaut werden?

Für die gemeinsame Oberfläche in der Regel nicht, sie werden eingebettet, nicht verändert. Für die gemeinsame Anmeldung muss jede Anwendung ein fremdes Anmeldeergebnis akzeptieren können; wer das nicht kann, behält vorerst seine eigene.

Was ist der Unterschied zum Zerlegen eines Monolithen?

Die Bewegungsrichtung. Beim Monolithen wird eine große Anwendung in eigenständige Teile geschnitten. Hier sollen viele kleine zusammenfinden, ohne dabei zu verschwinden. Beides sind Altsystem-Themen, aber Werkzeuge und Reihenfolge unterscheiden sich.

Lassen sich auch fremde Anwendungen einbinden?

Ja, solange sie über den Browser erreichbar sind und die Einbettung nicht untersagen. Viele tun das aus guten Sicherheitsgründen; dann bleibt eine Kachel, die in einem eigenen Fenster öffnet.

Reicht eine gemeinsame Oberfläche, oder muss am Ende alles abgelöst werden?

Häufig reicht sie. Ablösung ist dort nötig, wo die Anwendung selbst das Problem ist: widersprüchliche Daten, fehlende Pflege, kein Weg für neue Anforderungen. Eine Oberfläche darüber macht solche Systeme nur bequemer erreichbar.

Wie werden Stammdaten zwischen den Anwendungen abgeglichen?

Anwendungen aus dem SOLUTIONS Framework geben einzelne Datenmodelle frei; die übrigen melden sich als abhängig an und erhalten diese Daten lesend über den Nachrichtenweg, ohne eigene Datenbankverbindung. Für Fremdsysteme übernimmt SOLUTIONS.transformer den Abgleich.

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